Doppelte Premiere am GSG

Musisches Fach „Darstellendes Spiel“ führt experimentelles Theater als Szenencollage zu Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“ auf. Gleich zwei erfolgreiche Premieren feierte das Geschwister-Scholl-Gymnasium Daun an einem Abend. Der erste Kurs „Darstellendes Spiel“ der MSS11 zeigte im Rahmen des neu eingeführten Faches eine selbst geschriebene und inszenierte Szenencollage, angelehnt an die Thematik von Wedekinds Kindertragödie „Frühlings Erwachen“. Darstellendes Spiel ist seit diesem Jahr ein Unterrichtsfach in der Oberstufe am GSG Daun, das man auch als Prüfungsfach im Abitur wählen kann. Dass sich das neue Fach „Darstellendes Spiel“ unter den Schülern und Schülerinnen großer Beliebtheit erfreut, davon konnte sich das Publikum während der experimentellen Theateraufführung unter Gesamtleitung von Lehrerin Tanja Finnemann einen bemerkenswerten ersten Eindruck verschaffen. Die Schülerinnen und Schüler des Kurses präsentierten im Rahmen des sehr kurzweiligen Abends Ergebnisse aus der Unterrichtsarbeit des vergangenen Halbjahres. Der Unterricht im Fach DS, so die Kurzform, unterscheidet sich in einigen Bereichen vom „normalen“ Unterrichtsalltag. Jede Stunde beginnt mit einem Warm-Up für Körper und Stimme. Der inhaltliche Schwerpunkt der Stunde bestimmt das weitere Vorgehen, wobei in Theorie und Praxis untersucht wird, welche sogenannten theatralen Mittel es gibt und wie man sie in der szenischen Arbeit einsetzen kann. In Gruppenarbeit werden anschließend Szenen entwickelt, präsentiert und nach einem Feedback durch den Gesamtkurs überarbeitet. Hierbei wird vor allem die Teamfähigkeit geschult und die Arbeit in Gruppen baut Hemmschwellen ab. Am Ende steht die Leistungsbewertung wie bei jedem Schulfach, schriftliche Klausuren für den theoretischen Teil, mündliche Prüfungen, wenn ein spielpraktischer Teil dabei ist, etwa um den Verfremdungseffekt in Bertolt Brechts epischem Theater darzustellen. Der Schwerpunkt der Unterrichtsarbeit des vergangenen Halbjahres lag in der Beschäftigung mit dem Drama „Frühlings Erwachen“. Wedekinds Kindertragödie  aus dem Jahr 1891 geht Fragen nach, die in ihrem Inhalt zeitlos sind und im Verlauf des Abends die Inhalte der Szenencollage bestimmen: Der Kurs greift die Schicksale dreier Schüler heraus: Zum Beispiel das der Wendla Bergmann, die nicht von ihrer Mutter aufgeklärt wird, was ihr später zum Verhängnis wird; das von Moritz, der durch den Leistungsdruck der Eltern und der Schule überfordert ist und schließlich das Melchiors, der von einer sehr liberalen Mutter vernünftig und tolerant erzogen wird und mit diesem fortschrittlichen Denken überall aneckt. Auf humorvolle und auch nachdenklich machende Art und Weise zeigen die Schülerinnen und Schüler eindrucksvoll, wie die Jugendlichen in Wedekinds Stück mit der Intoleranz einer grotesk überzeichneten Erwachsenenwelt umgehen und in einer ergreifenden Rede macht Lea-Sophie Stolz am Ende des Stückes klar, dass „Jeder von uns im Stande ist, Dinge zu verwirklichen, die kaum zu glauben sind“.