Trafo – Ideen im Wandel

Trafo - Ideen im Wandel - Kultur unter Leuten auch auf dem Land

Halle? Das ist doch irgendwo im Osten… Und dahin hat man uns eingeladen?

Tatsächlich. Im September begaben sich 7 unerschrockene Mitglieder der Theater AG als Referenten zum Trafo-Ideenkongress nach Halle. Begleitet wurden sie von Frau Finnemann und Herrn Weinzheimer.

Und was genau wollen die jetzt da von uns?

Um die Bevölkerung in Dörfern und kleinen Städten zu stärken, braucht es Ideen und Lösungen. Damit sich die Kultur stärker daran beteiligt, veranstalteten die Kulturstiftung des Bundes und ihr Programm „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ einen „Ideenkongress zu Kultur, Alltag und Politik auf dem Land“ vom 19. bis 21. September 2018 in Halle (Saale). Eingeladen wurden wir von der „Akademie junges Land“. In Halle sollten wir die Akademie dabei unterstützen, Beteiligungsansätze vorzustellen und die Ideen von Jugendlichen einzubringen.

Um nicht nur über „das Land“ zu sprechen, sondern wirklich mit dessen AkteurInnen zu kommunizieren, war die Tagung interdisziplinär angesetzt. Vom Bienenzüchter über die städtische Kulturbeauftrage bis hin zum Geschäftsführer eines bundesweiten Verbands setzten sich die 400 TeilnehmerInnenaus unterschiedlichsten Interessengruppen zusammen, die ihre Perspektiven und Ansätze miteinander austauschen konnten. Widersprüchliche Positionen und Überzeugungen waren von Veranstalterseite explizit gewünscht.

Für die Teilnehmer der Theater-AG war der Kongress eine tolle und abwechslungsreiche Erfahrung:

Erwachsene, darunter viele Kulturschaffende, Politiker und Pädagogen, waren sehr daran interessiert, aus erster Hand von Jugendlichen zu erfahren, was sie sich für kulturelle Angebote wünschen und vor allem, wie man Jugendliche heute erreichen kann. Teilweise kam es soweit, dass wir uns wie eine besondere Spezies von Aliens fühlten, die gerade auf dem Planeten Erde gelandet waren.

Fazit: Es braucht von Jugendlichen selbst gewählte AnsprechpartnerInnen und selbst entwickelte Angebote!

Die Physiker zu Besuch in Daun

Verrückt - aber weise!

Am vergangenen Dienstagabend war das Trierer Katz-Theater für die siebte, und damit letzte, Aufführung von Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ zu Besuch am Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) in Daun. Tanja Finnemann, Regisseurin und gleichzeitig Lehrerin am GSG, brachte diese Neuinterpretation direkt aus der Tuchfabrik raus aufs Land und ermöglichte somit diese einmalige Vorstellung. Unterstützt wurde das Theaterensemble dieses Mal sowohl von der Technik-AG (unter Leitung von Volker Weinzheimer), als auch vom Kurs „Darstellendes Spiel“ der MSS 12. Bereits am Einlass wurden die Besucher von skurril gekleideten und lauten Schülerinnen begrüßt, nach ihren Krankenkassenkarten, welche zufälligerweise eine starke Ähnlichkeit mit den Eintrittskarten vorwiesen, gefragt, und energisch auf ihre Plätze verwiesen.

Mit Trump-Zitaten und Merkel-Rauten wurde die eigentliche Vorstellung dann eingeleitet, was Dürrenmatts moderner Klassiker von Beginn an in ein aktuelles Licht rückte und dessen Zeitlosigkeit andeutete. Der Zuschauer fand sich in dem privaten Sanatorium „Les Cerisiers“ wieder, in dem nun schon zum zweiten Mal eine Krankenschwester einem kaltblütigen Mord – manche würden behaupten, es sei ein Unglücksfall gewesen – durch einen der drei Patienten zum Opfer fiel. Zwei der Patienten geben vor, sich für die berühmten Physiker Albert Einstein und Sir Isaac Newton zu halten. Dem dritten Physiker in der Runde, Johann Wilhelm Möbius, erscheine angeblich immer wieder der König Salomo. Nach und nach stellt sich jedoch heraus, dass die tatsächlich verrückte Leiterin der Anstalt, Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd, die, von Möbius entwickelte, Weltformel nutzen möchte, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Mit stark überspielten Figuren, viel Humor und gelegentlichen Tanzeinlagen wurde eine ausgelassene und nicht minder groteske Atmosphäre kreiert. Die eigentliche Ernsthaftigkeit dieser Komödie wurde erst wieder zum Ende hinaus deutlich spürbar, als die Rolle der Wissenschaft im gesellschaftlichen, aber vor allem politischen, Diskurs hinterfragt wurde. Tanja Finnemann dazu: „Dürrenmatts Physiker zählen zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur. Dieses Stück auf die Bühne zu bringen, war durch die politische Brisanz eine große Herausforderung, aber auch ein immenser Spaß.  Durch ein schrilles Bühnenbild und einen charismatischen Chor wird die Aktualität dieser Thematik nochmal hervorgehoben.“

Sollte in Zeiten von Trump, Putin und Kim Jong-un die Wissenschaft freiheitlich ihre Ergebnisse in die Hände der gesamten Öffentlichkeit legen oder besitzt sie die Pflicht sich ideologisch einer Machtposition zuzuordnen? Inwiefern können WissenschaftlerInnen ihre Arbeit zu Gunsten der Menschheit eben dieser unterordnen und welchen Preis müssen sie dafür zahlen? Mit diesen Fragestellungen und einer gehörigen Portion Gänsehaut verließen die SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen die Vorstellung. Insgesamt lässt sich die Aufführung wohl am besten mit den gleichen Worten zusammenfassen, wie zuvor schon die Physiker beschrieben wurden: „Verrückt aber weise.“

Weltenbrand: Eine szenische Collage über den Ersten Weltkrieg

Das also ist der Krieg“

Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 haben am 16.10.2018 die Veranstaltung „Weltenbrand. Eine szenische Collage über den Ersten Weltkrieg“ in der KUFA in Koblenz besucht.

Bei dem Stück handelt es sich um eine Collage aus Text-, Musik-/Klang und Bildelementen: Passagen des expressionistischen Romans „Heeresbericht“ von Edlef Köppen werden mit der Lyrik August Stramms, Briefen von Soldaten, Alltagssituationen und Fragmenten offizieller Militärkommuniqués kontrastiert. Das Bühnenbild besteht aus Projektionen wechselnder Motive, die sich aus zeitgenössischen Fotos, Feldpostkarten und Bildern von kriegsteilnehmenden Malern (u.a. Otto Dix) zusammensetzen.

Das Stück erlaubte in Ergänzung zu unserem Besuch in Verdun vor wenigen Wochen, das Leid des Krieges in sehr berührender Weise zu erfahren. Die Schülerinnen und Schüler konnten die verschiedenen Perspektiven auf die Ereignisse nachvollziehen und die zeitgenössische Logik erkennen. Ursachen und Folgen des Krieges für ein Individuum traten am Beispiel der Gestalt des Adolf Reisiger plastisch vor Augen. Im Anschluss an die Darbietung bestand die Gelegenheit, mit den Schauspielern Michael Bideller, Oliver Hermann und Markus Voigt ins Gespräch zu kommen und über Intention, Gegenwartsbezug und Entstehungsbedingungen der Collage zu sprechen.

Landleben live!

Besuch der englischen Austauschschülerinnen am Geschwister-Scholl-Gymnasium

 
Unser Austausch-Projekt wird von der EU gefördert!
Wie leben Jugendliche auf dem Land? Dieser Frage gingen 21 Schülerinnen der Eltham Hill School aus Greenwich/London in der letzten Woche beim Besuch ihrer Partner am Geschwister-Scholl-Gymnasium nach. Viele Stunden arbeiteten die SchülerInnen gemeinsam am von der EU geförderten Erasmus-plus – Projekt „Leben in der Stadt – Leben auf dem Land“, aber auch die Erkundung der Umgebung kam nicht zu kurz. Während der Schüleraustauschwoche besuchte die Schülergruppe gemeinsam zum Teambildung und Klettern den Kletterpark in Traben-Trarbach und als Lernort Bauernhof den Vulkanhof in Gillenfeld. Außerdem wanderten die Schülerinnen und Schüler bei wunderbarem Wetter zur Burg Eltz und konnten beim Naturerlebnistag in Neroth eine kleine Schale aus Weiden flechten, bei einer Wanderung ein Wald- und Wiesenmedaillon basteln, Kerzen aus Bienenwachs ziehen oder den Weg von der Biene zum Honig nachvollziehen.
Die Austauschgruppe vor der Burg Eltz

Eröffnung des GSG-Outdoor-Spielfeldes

Am Montag, den 17.09.18 wurde das GSG-Outdoorspielfeld mit einem Sport-Turnier der 5. Klassen feierlich eröffnet. Der Einladung gefolgt sind nicht nur die 5. Klassen des GSG sondern auch einige Sponsoren und Förderer, die die Erstellung des Kleinspielfeldes unterstützt haben. Der Förderverein des GSG hat insgesamt die Finanzierung des Projektes übernommen und wurde dabei tatkräftig von einigen Spendern und Förderern unterstützt.

Die Schulgemeinschaft des GSG bedankt sich herzlich beim „Bürgerdienst e.V.“ (vertreten durch H. Winbusch), bei der Kreissparkasse Vulkaneifel (H. Pitzen und H. Hennen), der Firma Gerolsteiner („Team mit Stern“), der Firma Cordel Sportbau, RWE – aktiv vor Ort (H. Koch), dem Vermessungsbüro D. Brill sowie dem Träger der Schule (Vulkaneifel) für die geleistete Unterstützung.

Das attraktive Kleinspielfeld wurde in den vergangenen 12 Monaten für die Schülerinnen und Schüler der Schule errichtet, wodurch sowohl der Sportunterricht als auch die außerunterrichtlichen Aktivitäten auf einem attraktiven Bewegungsraum mehr durchgeführt werden können.

Foto auf dem neuen Spielfeld: Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a – 5c; stehend von rechts: Fr. Stölben (Förderverein GSG), H. Brill (Vermessungsbüro D. Brill), Kreissparkasse (H. Pitzen und H. Hennen), H. Winbusch („Bürgerdienst e.V.“), T. Feilen und F. Henschel (Sportlehrer am GSG)

Exkursion nach Verdun

Auf einer zweitägigen Fahrt nach Verdun erleben Schülerinnen und Schüler des GSG Daun das wahre Gesicht des ersten Weltkriegs und blicken hinter die Fassade von Vaterlandsstolz, Siegessicherheit und Kampfeuphorie.
Hören Sie hier einen Audiobericht mit Interview:

Der Französisch-LK und der Geschichts-LK des GSG Daun mit Frau Adam und Herrn Dr. Krämer.

28.08.2018, Verdun (Frankreich).

Nach einer dreistündigen Busfahrt treffen die Schüler des GSG auf den renommierten Fremdenführer Pierre Lenhard, die Gruppe macht den ersten Halt am Beinhaus von Douaumont. Was direkt ins Auge fällt: die ungewöhnliche Form des 137m langen Baus. Von der Mitte des langen Säulenkomplexes ragt ein 46m hoher Turm empor. Lenhard erklärt, die Form des Beinhauses solle den Schaft eines Schwertes darstellen, somit das Symbol eines im Boden versenkten Schwertes aufgreifen, was ein Zeichen für Frieden ist. Auch über dem Eingang zur Säulenhalle befindet sich in großen Buchstaben das Wort „PAX“ („Frieden“).

Wenn man bedenkt, dass sich in der Krypta hauptsächlich Inschriften von französischen Kriegsvermissten befinden und erst seit dem Besuch der Bundeskanzlerin Merkel 2016 Inschriften von deutschen Soldaten erlaubt sind, lässt sich erkennen, dass der Weg zum Frieden doch ein langwieriger Prozess war. Was bei allen Schülern Eindruck hinterlässt, sind die Granitgruften mit den Gebeinen von ca. 130 000 französischen und deutschen Soldaten, die Besucher außerhalb des Beinhauses durch kleine Fenster sehen können.

Das Beinhaus von Verdun als Zeichen des Friedens und als Gedenkstätte.

Erschreckend ist der Gedanke, dass diese Überreste nur einen Bruchteil von den 700 000 toten Soldaten darstellen, denn die restlichen Gefallenen liegen entweder auf dem riesigen Soldatenfriedhof vor dem Beinhaus oder immer noch unter der Erde durch Granatenangriffe begraben.

Der Soldatenfriedhof mit ca. 16000 Einzel- und Gruppengräbern.

Mit Betroffenheit und völlig ruhig blicken die Schüler auf die unendlichen Weiten des Soldatenfriedhofs, Worte sind hier nicht nötig.

Nach diesem bedrückenden Erlebnis begibt sich die Gruppe zum Fort Douaumont. Die Befestigungsanlage befand sich am äußersten Fort-Gürtel der französischen Verteidigungslinie. Sie war daher hart umkämpft und stand zwischenzeitlich auch unter deutscher Besetzung. Beim Betreten des Forts wird den Schülern die Situation der Soldaten im Krieg bewusst. Unter den unterirdischen, feuchten Räumen des Forts befinden sich nicht nur Lazarette und Gemeinschaftsräume, sondern auch die Schlafräume der Männer. Dabei gab es weder Matratzen noch durften die Soldaten ihre Uniformen ablegen.

Ein Einzelfall hinterlässt besonders Eindruck bei den Schülern, als man sich vor dem deutschen Soldatendenkmal versammelt. Herr Lenhard erzählt von Dr. Hallauer, einem deutschen Arzt, der nicht nur deutschen, sondern auch französischen Soldaten das Leben gerettet hat. Doch trotz seiner Dienste wurde er während des Zweiten Weltkriegs in Ausschwitz aufgrund seiner jüdischen Abstammung getötet.

Nicht nur die Soldaten mussten im Krieg um ihr Leben kämpfen; auch die Zivilbevölkerung litt unter den schweren Folgen. So auch das Dorf Fleury, welches bereits nach kurzer Zeit nicht mehr wiederzuerkennen war. Für die Schüler war dieser verlassene Ort besonders eindrucksvoll, weil die Landschaft von Minenkratern durchzogen ist. Die Natur hat sich das Gebiet bereits weitestgehend zurückgeholt, nur einige Soldatendenkmäler und eine Kapelle weisen noch auf die schrecklichen Geschehen im Jahre 1916 hin.

Die Kapelle in Fleury als Denkmal.

Am folgenden Tag führt Pierre Lenhard die Gruppe in die Minen von Vauquois, wo der Krieg außergewöhnlicher Weise unter der Erde ausgefochten wurde.

In einem insgesamt 22km langen Stollensytem lebten und kämpften unter schwersten Bedingungen rund um die Uhr sowohl französische als auch deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg. Dabei war es das einzige Ziel, schneller und tiefer als der Feind zu graben, um die feindlichen Stollen von unten überraschend zu sprengen und dabei die Feinde zu vernichten. Auch hier ist die Landschaft über den Minen vom Krieg gezeichnet und die Krater zeigen die tiefen Narben der Schlachten, die nicht nur in Vauquois, sondern auch im gesamten ehemaligen Kriegsgebiet ihre Spuren hinterließen.

Diesen Spuren sind die Schüler mit Respekt und Ehrfurcht gefolgt.

Als Ausdruck seiner Gefühle verfasste ein Schüler der Gruppe Folgendes:

Verdun

Inmitten eines Waldes;

Da lag ein kleines Dorf.

Nicht viel gab’s dort zu sehen,

Bloß der Natur Torf.

Wo früher war die Siedlung,

Da ist heut‘ gar nichts mehr.

Nur Tote und paar Krater

In einem Trümmermeer.

Nicht weit davon entfernt,

Nur’n paar Minuten fort,

Ruh’n hunderttausend Tote,

All ohne Grund gemord’t.

Die Toten, ja, die spür’n nichts mehr,

Unweit von dort das Trümmermeer,

Mal hier, mal dort ragt das Gewehr

Aus Mutter Erde in die Leer‘.

(Jonas Klein)

Letztendlich konnten die Schüler einen eigenen Eindruck gewinnen, der noch lange im Gedächtnis bleiben wird und die Schreckensseiten des Krieges nie vergessen lässt.

Verfasser: Marius Willems, Boris Tolstich, Sophie Freis